Fokus 2035
Zukunftsfähigkeit durch regionale Präzision
Stehen die Zeichen auf Zukunftsfähigkeit? In den rund 400 Kreisen des Wirtschaftsstandorts Deutschland zeigen sich ganz unterschiedliche Bilder. Demografische Entwicklung, Arbeitsmärkte, Immobilienpreise und Infrastruktur driften deutlich auseinander. Während einige Landkreise bis 2035 kräftig wachsen, verlieren andere einen erheblichen Teil ihrer Bevölkerung. Diese Unterschiede prägen Investitionsentscheidungen, Beschäftigungsperspektiven und Lebensqualität. Sie verlangen nach einer Wirtschaftspolitik, die regional genauer hinschaut. Gemeinsam mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat der BVR diese Entwicklung in der Studie „Deutschland 2035 – Entwicklungspfade für Deutschlands Regionen“ genauer in den Blick genommen und klare Schlüsse daraus gezogen.
Zentral: Die regionale Förderung muss gestärkt werden, damit regionale Unterschiede nicht zur Wachstumsbremse für das gesamte Land werden. Überdies braucht es leistungsfähige Verkehrsverbindungen, verlässliche Gesundheits- und Bildungsangebote sowie Investitionsanreize für Unternehmen vor Ort.
Die Kreditgenossenschaften begleiten diesen Wandel täglich. Als regionale Finanzierungspartner kennen sie die Bedarfe und Potenziale ihrer Heimatmärkte und sichern wirtschaftliche Teilhabe in wachsenden wie schrumpfenden Regionen. Nur mit einer regional differenzierten Wirtschaftspolitik lässt sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands insgesamt und dauerhaft sichern.
Thinktank und Start-ups
Neues Banking … und beyond
Junge Kundinnen und Kunden haben ihre ganz eigenen Anforderungen an das Banking: Es soll einfach, flexibel und mit persönlichen Mehrwerten verbunden sein. Auf allen Kanälen, ob in der Filiale oder digital. Die Genossenschaftsbanken richten ihr Angebot konsequent an diesen Erwartungen aus. Sie entwickeln das Banking von morgen nicht nur für, sondern vor allem mit der jungen Generation. So verbindet Neonblau, der junge Thinktank der Genossenschaftsbanken die Sichtweisen, Ideen und Bedürfnisse junger Menschen mit der Entwicklung neuer Produkte und Angebote.
Die Möglichkeiten für junge Kundinnen und Kunden im Banking erweitern sich derzeit in einem schnellen Takt. So wurde in die VR Banking App bereits „MeinDepot“ integriert: ein marktfähiges Wertpapierangebot für junge Menschen. Weitere neue Angebote werden das Angebot kontinuierlich erweitern. Unter anderem steht hier auch der Kryptohandel im Fokus.
Zugleich wurde in der genossenschaftlichen FinanzGruppe mit amberra ein Türöffner für neue Geschäftsmodelle in relevanten Lebensbereichen wie Wohnen, Gesundheit, Nachhaltigkeit und regionaler Wirtschaft etabliert. In einem ersten Fonds wurden über 100 Millionen Euro Innovationskapital erfolgreich gebündelt. amberra ist bereits an fünf Start-ups beteiligt, die zum Alltag der Kundinnen und Kunden von Genossenschaftsbanken passen und die das Banking von morgen passend und zielgenau erweitern.
Regulierung
Augenmaß wahren
Die Genossenschaftsbanken stehen bereit, um die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in ihren Regionen aktiv zu begleiten. Um handlungsfähig zu sein, sollten dafür allerdings die regulatorischen Rahmenbedingungen praktikabel und verhältnismäßig gestaltet sein. Denn: Die stetig wachsenden bankaufsichtlichen Anforderungen belasten insbesondere kleine und mittlere, regional tätige Institute – wie die vielen Genossenschaftsbanken in Deutschland – zunehmend.
Ein zentraler Grund dafür ist das europäische Single Rulebook. Anders als in den großen Industrienationen wendet dieses bankaufsichtliche Vorgaben weitgehend undifferenziert an. So müssen Institute mit einer Bilanzsumme von wenigen Milliarden Euro grundsätzlich dieselben komplexen Anforderungen erfüllen wie global systemrelevante Großbanken mit Bilanzsummen von mehreren Hundert Milliarden Euro.
Was für international tätige Institute konzipiert wurde, ist für kleine Häuser mit überschaubaren Geschäftsmodellen weder sachgerecht noch handhabbar. Wertvolle Ressourcen, die vor Ort für Beratung, Kreditvergabe und Investitionsbegleitung benötigt würden, werden dadurch gebunden.
Der BVR setzt sich deshalb seit Langem für passgenaue, risikoorientierte Regeln ein. Umso erfreulicher ist es, dass diese Position zunehmend Gehör findet. Der 2025 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank vorgelegte Vorschlag für ein eigenständiges Kleinbankenregime ist hier ein wichtiger Fortschritt. Dass dieser Ansatz inzwischen auch auf europäischer Ebene große Beachtung findet, ist ein ermutigendes Signal. Positiv zu bewerten ist zudem, dass sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) für gesonderte bankaufsichtliche Regelungen für kleinere Institute ausgesprochen hat. Ebenso greift die EU-Kommission das Thema innerhalb ihrer Konsultationen zum Thema Wettbewerbsfähigkeit auf.
Der BVR wird auch im laufenden Jahr die Bestrebungen für ein gesetzlich verankertes Kleinbankenregime gezielt und intensiv begleiten sowie unterstützen.
Geno Next Level
Zukunftsfähigkeit und Stabilität
Das genossenschaftliche Sicherungssystem ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher Stabilitätsanker der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Es schützt Einlagen, bewahrt Vertrauen und ermöglicht Solidarität im Verbund.
Dennoch haben wir Anfang 2025 Reformen unseres genossenschaftlichen Sicherungssystems angestoßen. Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs unserer Banken war es dringend erforderlich, Konsequenzen aus den Sanierungsfällen der jüngeren Vergangenheit zu ziehen, auch wenn wir die betreffenden Banken mit unserer starken Institutssicherung ohne Schwierigkeiten auffangen konnten. Entsprechend haben wir das Monitoring von Banken durch die Sicherungseinrichtung weiterentwickelt, um dadurch mögliche Risiken bei Einzelinstituten besser und früher zu erkennen. Außerdem haben wir deutlich stärkere Eingriffsrechte für die Sicherungseinrichtung vorgesehen, zum Beispiel ein vereinfachter und schnellerer Ausschluss von Mitgliedern aus der Institutssicherung oder die Möglichkeit, von Banken mit hohen Risikoprofilen oder bei unkooperativem Verhalten höhere Beiträge zu verlangen. Auch die Zusammenarbeit zwischen BVR, regionalen Prüfungsverbänden, Sanierungsausschüssen und DZ BANK haben wir verbessert. Weiterhin arbeiten wir an der Einführung eines Vorstands- und Aufsichtsratskodex, der sich an bestehenden Kodizes unserer Gruppe sowie am Deutschen Corporate Governance Kodex orientiert. Wir halten darin fest, was unsere gegenseitigen Erwartungen mit Blick auf die jeweiligen Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten von Vorständen und Aufsichtsräten in allen Unternehmen unserer Gruppe sind. Auch ein verbundweites Risiko- und Finanzmanagement ist in Arbeit, das die Dezentralität unserer Gruppe im Blick behält. Alle Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer Zukunftsfähigkeit und Stabilität. Externe Ratings bestätigen die Stärke unserer genossenschaftlichen FinanzGruppe: Fitch und Standard & Poor’s erteilen uns ein sehr gutes Langfristrating von AA– beziehungsweise A+.