Prognosebericht
Gesamt- und Kreditwirtschaft
Im Frühjahr 2026 zeigt sich die deutsche Konjunktur weiterhin kraftlos und fragil. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird von gegenläufigen Entwicklungen beeinflusst. Einerseits gehen vom stark expansiv ausgerichteten Kurs der Finanzpolitik merkliche Wachstumsimpulse aus. Andererseits belasten die Effekte der US-Zollanhebungen, der weitere Verlust der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exportindustrien und ein durch den Irankrieg ausgelöster Energiepreisschock die Wirtschaft. Diese Effekte dürften die Konjunkturbelebung zwar dämpfen, aber nicht vollständig zum Stillstand bringen.
Vor allem aufgrund der wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs haben die an der Gemeinschaftsdiagnose teilnehmenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose 2026 für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Während sie im Herbst 2025 noch mit einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent rechneten, gehen sie in ihrem aktuellen Frühjahrsgutachten lediglich von einem Zuwachs um 0,6 Prozent aus. Der Prognosewert für die Inflationsrate wurde hingegen von zuvor 2,0 auf 2,8 Prozent merklich angehoben. Für das Jahr 2027 prognostizieren die Forschungsinstitute bei einer weiterhin hohen Inflationsrate von 2,9 Prozent ein preisbereinigtes Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent.
Zentraler Ausgangspunkt für diese Prognosewerte ist die sich auf Markterwartungen stützende Annahme, dass die Energiepreise ab dem Sommer 2026 wieder sinken werden. Sie dürften jedoch bis zum Ende des Prognosezeitraums über ihrem Stand vor Kriegsausbruch bleiben. Unter dieser Voraussetzung sollte der Dämpfer für die weltweite Produktion begrenzt und vorübergehend sein.
Nach Einschätzung der Forschungsinstitute wird der inländische Privatkonsum zwar durch die höhere Inflation spürbar gehemmt werden. Die staatlichen Konsumausgaben werden aber durch die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz merklich steigen. Vor allem Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus dürften davon profitieren. Im Großteil des verarbeitenden Gewerbes dürfte die Lage dennoch verhalten bleiben. Zwar mehren sich die Anzeichen, dass die Exporte ihre Talsohle durchschritten haben und sich im Jahresverlauf etwas festigen werden. Gleichwohl dürften vom Auslandsgeschäft vorerst nur geringe Impulse ausgehen. Neben der US-Zollpolitik belasten auch die gestiegenen Energiepreise und die damit einhergehende Unsicherheit die deutschen Ausfuhren. In der Folge ist damit zu rechnen, dass sich die inländischen Unternehmensinvestitionen nur langsam erholen werden. Darüber hinaus werden sie durch risikoorientierte Finanzierungsbedingungen gebremst, die die anhaltend schwierige Wirtschaftslage reflektieren, was sich auch auf die Wohnungsbauinvestitionen auswirkt.
Auf der Sitzung des EZB-Rats am 11. Juni 2026 wurde eine Erhöhung des Zinsniveaus um 25 Basispunkte beschlossen. Der Einlagesatz liegt damit bei 2,25 Prozent. In die aktualisierten makroökonomischen Projektionen fließen die höheren Energiepreise infolge des Irankriegs mit ein, die eine Anhebung der Inflationsprojektionen zur Folge haben. Es wird davon ausgegangen, dass die Inflationsrate 2026 im Basisszenario im Durchschnitt bei 3,0 Prozent liegen wird. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum dürfte angesichts des Irankriegs mit 0,8 Prozent schwächer ausfallen als noch im März 2026 erwartet. Gleichzeitig betont der EZB-Rat die erhöhte Unsicherheit im aktuellen Marktumfeld und bekräftigt, sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad festlegen zu wollen. Künftige Entscheidungen sollen von Sitzung zu Sitzung datenbasiert auf der Grundlage einer Analyse der Inflationsaussichten, der zugrunde liegenden Inflationsdynamik und der Stärke der geldpolitischen Transmission getroffen werden.
Auch wenn sich der EZB-Rat nicht auf einen weiteren Zinspfad festlegen will, betonte er auf seiner Sitzung im Juni, dass man sich in einer guten Lage befinde, um sich durch die bestehende Unsicherheit zu navigieren. Gleichzeitig hat sich der Irankrieg deutlich auf die weltweiten Finanzmärkte ausgewirkt. Finanzierungsbedingungen haben sich verschärft, Aktienmärkte sind zeitweise gefallen und weisen eine erhöhte Volatilität auf, und die Marktzinsen im Euroraum sind besonders für kurzlaufende Instrumente deutlich gestiegen.
Der BVR erwartet unter Berücksichtigung der vorgenannten Effekte, dass die Risikokosten im Kreditgeschäft aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten in Europa sowie der geopolitischen Risiken mindestens auf dem Niveau des Vorjahres liegen könnten. Darüber hinaus können durch einen verschärften Wettbewerb um Einlagen auch Ertragsrisiken für bestimmte Institute entstehen. Die Resilienz vieler Unternehmer wird aufgrund der weiterhin schwächeren konjunkturellen Entwicklung als stagnierend bis rückläufig eingeschätzt, was in Kombination mit den erhöhten Refinanzierungskosten ihren Kapitaldienst gefährden kann. Das Zinsergebnis der Kreditwirtschaft in Deutschland wird im Geschäftsjahr 2026 leicht steigend prognostiziert, da die Leitzinsen der EZB voraussichtlich steigen. Das Wachstum im Kreditneugeschäft wird unter dem Niveau des Vorjahres erwartet. Bei den Immobilienpreisen in Deutschland wird mit einem leichten Anstieg gerechnet. Wesentliche Auswirkungen des Irankriegs auf den Immobilienmarkt sind bislang nicht erkennbar, jedoch wird die erhöhte Unsicherheit die erwartete Erholung am Immobilienmarkt weiter verzögern.
Prognose der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken
Die hohen Risiken aus der geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Lage werden die Ergebnisse des Geschäftsjahrs 2026 spürbar beeinflussen können. Im Zinsüberschuss wird aufgrund des erwarteten steigenden Zinsniveaus und daraus folgender möglicher Margenausweitungen für 2026 mit einer spürbaren Steigerung gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Der Provisionsüberschuss wird konstant erwartet, wobei der wesentliche Anteil der Provisionen weiterhin aus dem Zahlungsverkehr und der Vermittlung von Anlageprodukten stammen wird.
Vor dem Hintergrund der weiterhin schwachen Konjunktur in Deutschland und der weltweiten geopolitischen Risiken werden die Aufwendungen für die Risikovorsorge im Kreditgeschäft im Geschäftsjahr 2026 in Relation zum längerfristigen Durchschnitt auf einem hohen Niveau verharren, insbesondere aufgrund der weiterhin hohen Kreditausfälle im Firmenkundengeschäft. Gegenüber dem Jahr 2025 wird die Risikovorsorge jedoch deutlich sinken. Aufgrund erhöhter Unsicherheiten im Kapitalmarktumfeld und daraus folgender möglicher Marktverwerfungen wird vom Ergebnis aus Finanzanlagen im Geschäftsjahr 2026 ein geringer negativer Ergebnisbeitrag erwartet. Das Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft wird im Geschäftsjahr 2026 auf ein substanziell niedrigeres Niveau fallen. Die Verwaltungsaufwendungen werden im Geschäftsjahr 2026 aufgrund der tariflichen Lohnsteigerungen sowie höherer Inflation erneut spürbar steigen. Unter Berücksichtigung der oben genannten Faktoren wird das Ergebnis vor Steuern im Geschäftsjahr 2026 deutlich unter dem Vorjahresniveau erwartet.
Die regulatorischen Kapitalquoten werden sich im Jahr 2026 voraussichtlich konstant entwickeln, da das Wachstum der risikogewichteten Aktiva durch die Gewinnthesaurierung vollständig kompensiert werden kann.
Die prognostizieren Ergebnisse sind insbesondere aufgrund der Auswirkungen des Irankrieges und der damit zusammenhängenden Entwicklungen an den Güter- und Finanzmärkten mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden.